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Fragen und Antworten

Allgemeine Hinweise

[1] Sortierung der Bauteile

Die Bauteile wurden nach DIN 276:2018-12 2.Ebene sortiert.

[2] Systemskizzen

Alle Systemskizzen stammen ursprünglich aus dem eLCA-Tool. BKI hat jedoch zur besseren Lesbarkeit geringfügige Anpassungen vorgenommen.

[3] Nummerierung der Bauteile im eLCA

Im eLCA werden die Bauteilschichten wie folgt nummeriert:

  • Bei Gründungen, Außenwänden und Dächern von innen nach außen,
  • bei Innenwänden von links nach rechts,
  • bei Decken von unten nach oben.

[4] Die ÖKOBAUDAT unterscheidet in Bezug auf die Repräsentativität von Ökobilanzdaten verschiedene Datensatztypen:

  1. Durchschnittliche Datensätze von Industrieverbänden, mehreren Firmen, mehreren Werken oder mehreren Produkten (d.h. auf Grundlage von Daten der Industrieproduktion von Unternehmen). (average dataset)
  2. Datensätze, die repräsentativ für ein Land / eine Region sind (z.B. Durchschnitt Deutschland (DE)). (representative dataset)
  3. Hersteller-(unternehmens-)spezifischer Datensatz für ein konkretes Produkt eines Werkes. (specific dataset).

Weitere Informationen dazu finden Sie im ÖKOBAUDAT-Handbuch: https://www.oekobaudat.de/fileadmin/downloads/2023-11-20_OEBD-Handbuch_v2.1_Red_2023-12-18.pdf

[5] Modul D1 (Recyclingpotenzial) und D2 (Effekte exportierter Energie)

Die Module D1 und D2 haben keinen direkten Einfluss auf die einzuhaltenden Anforderungen für QNG-Nachweise. Im BKI Konstruktionsatlas werden Datensätze zu Modul D1 angegeben. Zum Modul D2 werden keine Datensätze angegeben.

[6] Austauschzyklen (Nutzungsdauer einzelner Bauteilschichten)

Die Nutzungsdauer einer Bauteilschicht beeinflusst unmittelbar das Ergebnis der Lebenszyklusberechnung. Die Häufigkeit, mit der ein Bauteil oder Baustoff innerhalb eines 50-jährigen Betrachtungszeitraums ausgetauscht werden muss, kann je nach Einbausituation variieren.

Beispiel Berechnung für Austauschzyklus:
(A1+A2+A3+C3+C4) = 1 Lebenszyklus (LZ) (ohne Bauteil Ersatz)
(A1+A2+A3+B4+C3+C4) = 2 Lebenszyklen (LZ) (mit einmal Bauteil Ersatz)

B4 wird folgt berechnet:
B4 = A1+A2+A3+C3+C4

Somit bildet B4 einen Austauschzyklus. Stahlbeton mit 50 Jahren Nutzungsdauer in einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren:
Module (A1+A2+A3+C3+C4) = 1 LZ = 0 Austauschzyklen

Putzschicht mit 40 Jahre Nutzungsdauer in einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren:
Module (A1+A2+A3+B4+C3+C4) = 2 LZ = 1 Austauschzyklus

Dispersionsfarbe mit 20 Jahre Nutzungsdauer in einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren:
Module (A1+A2+A3+B4+B4+C3+C4) = 3 LZ = 2 Austauschzyklen

[7] Kostenelemente bezogen auf eLCA Bauteilschichten

Die Kostenelemente stützen sich größtenteils auf standardisierte Positionen und reflektieren die Bauteilschichten im eLCA. Allerdings kann es aufgrund der Standardisierung zu geringfügigen Abweichungen kommen.

[8] Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP)

Das Global Warming Potential (GWP), zu deutsch Treibhauspotenzial, ist eine Maßzahl, die dazu dient, den potenziellen Einfluss bestimmter Materialien, Bauteilen oder Gebäuden auf die Erwärmung der unteren Atmosphäre, also auf den sogenannten Treibhauseffekt, zu bewerten. Dieser Einfluss wird im Verhältnis zum Treibhauspotenzial von Kohlendioxid (CO2) ausgedrückt. Zur Berechnung und Bewertung wird in der Regel der GWP100-Wert verwendet, der den Beitrag eines Materials zum Treibhauseffekt über einen Zeitraum von 100 Jahren durchschnittlich berücksichtigt.

Es ist wichtig zu betonen, dass das GWP100 unabhängig von der spezifischen Betrachtungsdauer von 50 Jahren für die Systemgrenze des Gebäudes ist. Das bedeutet, dass es sich auf den Einfluss eines Materials auf den Treibhauseffekt über einen Zeitraum von 100 Jahren bezieht und daher konstant bleibt, unabhängig davon, welchen Zeitraum man zur Analyse des Gebäudes wählt. Diese Standardisierung erlaubt es, Treibhausgasemissionen aus verschiedenen Materialien und Prozessen, die im Lebenszyklus eines Gebäudes auftreten, auf eine vergleichbare Basis zu stellen.

[9] Totaler nicht-erneuerbarer Primärenergiebedarf (Primary Energy Non Renewable Total, PENRT)

Totaler nicht-erneuerbarer Primärenergiebedarf  (PENRT) bezieht sich auf die Gesamtmenge an nicht erneuerbarer Primärenergie, die für die Herstellung bestimmter Materialien, Bauteilen oder Gebäude benötigt wird und wird oft in Einheiten wie Megajoule (MJ) oder Kilowattstunden (kWh) pro funktioneller Einheit des Materials angegeben. 

Um den PENRT zu berechnen, werden zwei Hauptkomponenten berücksichtigt:
Primärenergiebedarf für Rohstoffe als Energieträger (PENRE): Dieser Teil des PENRT bezieht sich auf die Menge an nicht erneuerbarer Primärenergie, die verwendet wird, um die benötigte Energie für die Herstellung eines Materials zu liefern. Dies kann beispielsweise die Energie umfassen, die zur Extraktion und Verarbeitung von Rohstoffen wie Erdöl oder Kohle benötigt wird.

Primärenergiebedarf für Rohstoffe zur stofflichen Nutzung (PENRM): Dieser Aspekt des PENRT bezieht sich auf die nicht erneuerbare Primärenergie, die für die stoffliche Verwendung von Ressourcen in einem Material benötigt wird. Dies könnte beispielsweise die Energie sein, die benötigt wird, um Rohstoffe in ein Material umzuwandeln. 

Zusammengefasst enthält der PENRT sowohl die energetisch als auch die stofflich genutzten nicht erneuerbaren Ressourcen. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Gesamtauswirkungen eines Materials auf die Umwelt in Bezug auf die Inanspruchnahme nicht erneuerbarer Energieressourcen zu bewerten.

Prozentualer Anteil von Materialien in einer Schicht

Verschiedene Materialien, die sich in derselben Bauteilschicht befinden, werden mit einem prozentualen Volumen- oder Flächenanteil angegeben. Stahlbeton besteht beispielsweise aus einem Anteil Beton und einem Anteil Stahl. Diese beiden Materialien werden als Gefach in einer Schicht mit dem jeweiligen prozentualen Anteil zusammengefasst. Die Summe der prozentualen Verteilung von Material A und B beträgt immer 100%. Aufbauend auf die präzisen, positionsbedingten Faktoren für Materialanteile, sind auch die prozentualen Volumenanteile mit mehreren Nachkommastellen gerechnet.

Festlegungen für Nutzungsdauern

Grundlage der Berechnungen sind die minimale Nutzungsdauer der Baustoffe unter Berücksichtigung der Nutzungsdauern von Bauteilen für Lebenszyklusanalysen nach Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) (https://www.nachhaltigesbauen.de/austausch/nutzungsdauernvon-bauteilen/). Mit vorgenannten Festlegungen gibt es im Zusammenspiel von Material und Verwendungszweck in der Baukonstruktion auch Wechselwirkungen und Interpretationsspielraum. 

Hinweise und Besonderheiten

320 Gründung
Neben Dämmungen (s. FAQ Code 325.111 vom 27.04.2020 - https://www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/Nutzungsdauer_Bauteile/FAQ_Code_325.111.pdf) haben auch Abdichtungen und Trennlagen unter Fundament- und Bodenplatten, unabhängig der min. Nutzungsdauer von Baustoffen, die Dauerhaftigkeit >= 50 Jahre Dämmschichten, Abdichtungen und Trennlagen unter Estrichflächen sowie Kleber unter Bodenbelägen sind mit Dauerhaftigkeit >= 50 Jahre gerechnet.

330 Außenwände
In Anlehnung der vorgenannten Bilanzierungsregel für KG 320 sind auch Dämmungen, Abdichtungen und Trennlagen in erdberührten Flächen mit der Dauerhaftigkeit >= 50 Jahre angesetzt. Holzwände werden mit >= 50 Jahre bilanziert. Das gilt auch für Holzrahmen- und Holztafelkonstruktionen einschl. der Kerndämmung und Beplankungen, sowie ggf. enthaltene Folien in der Tragkonstruktion.

350 Decken
Dämmschichten, Abdichtungen und Trennlagen unter Estrichflächen sowie Kleber unter Bodenbelägen sind mit Dauerhaftigkeit >= 50 Jahre gerechnet. 

360 Dach 
Abdichtungen, Vordeckungen und Unterspannungen unter dauerhaften Dachbelägen oder Plattenbelägen sind ebenfalls mit >= 50 Jahre bilanziert.

Allgemeine Hintergrundinformationen

KNN-Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment

Das KfW-Förderprogramm "Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment" (KNN) wurde eingeführt, um den Bau von energieeffizientem Wohnraum mit niedrigen Bau- und Nebenkosten zu fördern und dabei insbesondere klimafreundliche Bauweisen zu unterstützen. Das Programm wurde am 1. Oktober 2024 gestartet. Finanziert wird es durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und stellt zinsgünstige Kredite für Bauprojekte im Wohn- und Nichtwohnbereich bereit.

Das Programm richtet sich an Investoren, darunter Privatpersonen, Wohnungsbaugenossenschaften, Unternehmen und Kommunen, die Gebäude errichten oder erwerben möchten, die dem Effizienzhausstandard 55 (EH55) entsprechen. Es werden neben allgemeinen technischen Anforderungen auch besondere Vorgaben zur Wohnflächennutzung sowie zu Lebenszykluskosten festgelegt.

Die BKI-Baukosten-Datenbanken bilden die Grundlage für das Online-Prüftool des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Sie umfassen BKI-Referenz-Baukosten und BKI-Baukosten-Regionalfaktoren, die für die Kalkulation von Baukosten im Förderkontext genutzt werden.

Ökobilanzierung-Rechenwerte

Die „Ökobilanzierung-Rechenwerte“ ist eine Tabelle, die spezifische Daten zu Umweltauswirkungen von Baumaterialien enthält. Sie basiert auf der ÖKOBAUDAT-Datenbank und berücksichtigt insbesondere auch Angaben zum Lebensende der Materialien. Diese Daten sind essenziell für die Durchführung von Ökobilanzierungen von Gebäuden.

Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA)

Die Ökobilanzierung ist eine Methode zur Bewertung der Umweltwirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung über dessen gesamten Lebenszyklus. Dies umfasst Rohstoffgewinnung, Produktion, Nutzung und Entsorgung. Ein Missverständnis entsteht oft, wenn eine LCA mit einer einfachen CO2-Bilanz gleichgesetzt wird, obwohl sie viele weitere Umweltaspekte (Indikatoren wie GWP, PENRT, AP, EP usw.) umfasst. 

In der Ökobilanzierung wird die Wirkungskategorie „Climate Change“ (Klimawandel) über den Indikator GWP (Global Warming Potential) bewertet, meist auf Basis eines 100-Jahres-Zeithorizonts (GWP100). Dieser Indikator fasst die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (Lachgas, N2O) sowie die fluorierten Treibhausgase (F-Gase) in CO2-quivalenten zusammen, was die Vergleichbarkeit und die Ermittlung der Gesamtemissionen ermöglicht. Reduktionsziele und Verpflichtungen beruhen oft auf diesen zusammengefassten Treibhauspotenzialen. Ein Missverständnis besteht oft darin, dass „Treibhausgase“ nur als CO2 verstanden werden, obwohl es sich um eine Vielzahl von Gasen handelt.

Für die internationale Berichterstattung über Treibhausgasemissionen ist die Verwendung von GWP-Werten mit einem 100-Jahres-Zeithorizont (GWP100) verbindlich vorgeschrieben. Dies gewährleistet eine einheitliche und vergleichbare Darstellung der Emissionen, die in CO2-Äquivalenten angegeben werden, um die Klimawirkung zu quantifizieren.

Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG)

Das QNG ist ein staatliches Gütesiegel des Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) für Gebäude, das durch unabhängige Zertifizierungsstellen im Rahmen eines Zertifizierungsprozess verliehen wird. Dafür müssen bestimmte Vorgaben im Bereich Nachhaltigkeit erfüllt werden. Diese Vorgaben können verschiedene Aspekte wie Energieverbrauch, Umgang mit Ressourcen, minimale Umweltauswirkungen und soziale Verträglichkeit einschließen. Die Zertifizierung bestätigt, dass ein Gebäude die festgelegten Standards für umweltfreundliches und nachhaltiges Bauen erfüllt. Dies ist von Vorteil, da nachhaltige Gebäude normalerweise geringere Auswirkungen auf die Umwelt haben, energieeffizienter sind und oft niedrigere Betriebskosten haben. Das QNG-Zertifikat kann auch in einigen Fällen erforderlich sein, um staatliche Fördermittel zu erhalten.

Im Kontext des QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) wird der Indikator „Treibhausgase im Lebenszyklus“ verwendet. Dabei geht es um die Bewertung der Treibhausgasemissionen während des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Die erfassten Treibhausgasemissionen werden aus Umwelt-Produktdeklaration Daten (Environmental Product Declaration, EPD) mit Ökobilanzen und Emissionsfaktoren zu einem Treibhauspotenzial zusammengefasst, das als Summenparameter für ein Jahr, gemittelt über die Nettoraumfläche (NRF) angegeben.

Das eLCA-Tool

Das Ökobilanzierungstool eLCA (Life Cycle Assessment-Lebenszyklusanalyse) ist ein Umweltbewertungstool für Nachhaltigkeitsbewertung im Bauwesen, das vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entwickelt wurde. Es dient zur einfachen und schnellen Bestimmung sowie Bewertung der Umweltauswirkungen von Gebäuden über deren gesamten Lebenszyklus. Das Tool ermöglicht eine benutzerfreundliche Modellierung von Bauteilen und präsentiert die Ergebnisse in übersichtlichen grafischen Darstellungen. Dabei basieren die Berechnungen auf den ÖKOBAUDAT-Datensätzen wie zum Beispiel die „Ökobilanzierung-Rechenwerte“. Das eLCA kann kostenfrei in deutscher und englischer Sprache genutzt werden. Das eLCA ist ein integraler Bestandteil des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB), siehe Bericht, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (Seite 12).

ÖKOBAUDAT

Die ÖKOBAUDAT ist eine Datenbank mit Informationen, Links und Datensätzen zur Ökobilanzierung von Bauwerken, welche auf einer Internetplattform vom Bundesinstitut Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) angebotenund betrieben wird. Im Vordergrund stehen präzise Ökobilanz-Datensätze für Materialien, Bau- und Transportprozesse. Die Plattform erleichtert zudem die Integration der Daten in Gebäudeökobilanzierungstools wie eLCA, was die Nutzung der Informationen erleichtert.

Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Bauen Weltweit finden sich heutzutage mehrere Zertifizierungsstellen für nachhaltiges Bauen, die verschiedene Zertifizierungssysteme anbieten. 

Nachfolgend finden Sie aufgelistet einige der bekanntesten Organisationen:

DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) ist eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Deutschland. Sie bietet ein Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen, welches auch international anerkannt ist. DGNB bewertet Gebäude nach ökologischen, ökonomischen, sozialen und funktionalen Kriterien. Das DGNB-System ist für privatwirtschaftliche Bauvorhaben geeignet. DGNB vergibt das Gütesiegel für nachhaltiges Bauen (QNG).

BNK (Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau)
Das BNK-System wurde vom Bundesbauministerium eingeführt. Es ermöglicht die Zertifizierung von Wohngebäuden jeder Größe. Dieses System basiert auf 19 objektiven Bewertungskriterien.

BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen)
Ein Zertifizierungssystem, das speziell in Deutschland für öffentliche Gebäude entwickelt wurde. BNB berücksichtigt ebenfalls ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte. BNB vergibt das Gütesiegel für nachhaltiges Bauen (QNG).

NaWoh (Nachhaltiger Wohnungsbau) wurde von verschiedenen Immobilien- und Wohnungsbauverbänden in ganz Deutschland ins Leben gerufen. Seit 2012 können mit diesem System neu gebaute Mehrfamilienhäuser beschrieben und bewertet werden. 

Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Bauen im Ausland 

BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) bietet ein Zertifizierungssystem mit verschiedenen Nachhaltigkeitskategorien von Gebäuden. Es wurde in Großbritannien entwickelt und wird international genutzt. 

LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) wurde in den Vereinigten Staaten gegründet. Es bewertet die ökologische Effizienz von Gebäuden und wird weltweit verwendet.

Einführung der „Ökobilanzierung-Rechenwerte“

Die KFN-Neubauförderung die ab dem 01.03.2023 Anwendung findet, erfordert die Nutzung der Tabelle „Ökobilanzierung-Rechenwerte“ im QNG.

Diese Förderung bietet sowohl eine Grundförderstufe ohne QNG-Zertifizierung als auch eine Stufe mit QNG-Zertifizierung an. Beide Stufen erfordern eine Ökobilanzierung über den gesamten Lebenszyklus des zu fördernden Neubaus, basierend auf den einheitlichen QNG-Regeln.

In der Grundförderstufe ohne Zertifizierung erfolgt keine unabhängige Prüfung der Berechnungsergebnisse durch eine Zertifizierungsstelle. Daher hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) die Tabelle „Ökobilanzierung-Rechenwerte“ für die Ökobilanzierung im QNG eingeführt, um die Qualitätssicherung auf der Grundförderstufe sicherzustellen.

Im BKI Konstruktionsatlas KA2 wurde für die Berechnungen der Ökobilanzwerte die Version „Ökobilanzierung-Rechenwerte 2023 v1.3.“ als Datengrundlage benutzt. Sie enthält Lebenszyklusdaten zu Materialien aus der ÖKOBAUDAT gemäß DIN EN 15804+A1.

Lebenszyklusmodule

Die DIN EN 15643 definiert die Lebenszyklusmodule, die in einer Ökobilanzrechnung berücksichtigt werden sollten. Im Zusammenhang mit der Ökobilanzierung von Gebäuden werden in der Regel folgende Phasen näher betrachtet:

  • Modul A0 betrifft nicht-physische Prozesse in der Planungsphase, wie Umweltverträglichkeitsprüfungen und Risikobewertungen für die Baulanderschließung, die Einbeziehung von Interessengruppen, technische Voruntersuchungen sowie die Datenerhebung und Kostenermittlung für den Erwerb von Land/Bauland, Planung und Entwurf.
  • Module A1-A3 umfassen die Produktion von Materialien, einschließlich Rohstoffgewinnung und deren Transport zu den Herstellern.
  • Module A4-A5 beziehen sich auf die Bauphase, einschließlich des Transports der Materialien zur Baustelle.
  • Modul B4 behandelt den Austausch von Bauteilen am Ende ihrer Nutzungsdauer.
  • Modul B6 betrifft den Energiebedarf während des Gebäudebetriebs.
  • Module C1-C2 decken den Rückbau des Gebäudes ab und den Transport zu weiteren Verarbeitungsorten.
  • Module C3-C4 befassen sich mit der Entsorgung und Behandlung von Abfällen.
  • Modul D untersucht die Auswirkungen von:
    • D1: Nettoflüsse aus Wiederverwendung, Recycling, Energierückgewinnung und anderen Verwertungsverfahren von Materialien und Substanzen (z.B. Verfüllung) einzeln.
    • D2: Exportierte Versorgungsmedien außerhalb der Systemgrenze.

Modul D1 befasst sich mit möglichen Szenarien, die nach dem Ende des Lebenszyklus eines Bauprodukts auftreten können. Dies umfasst potenzielle Vorteile und Belastungen, die sich aus dem Recycling oder der Wiederverwendung von Baustoffen ergeben können. Es gibt mit anderen Worten eine Art Einsparung der Umweltbelastungen an.

Modul D2 hingegen betrachtet das Potenzial für die Erzeugung und den Export von Energie durch das Gebäude selbst. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass ein Gebäude überschüssige Energie, die es durch Photovoltaik-Anlagen erzeugt, ins nationale Stromnetz einspeist. Es ist wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse aus Modul D1 und D2 keinen direkten Einfluss auf das Gebäude innerhalb seiner Systemgrenzen haben. Die Vorteile von wiederverwendeten Materialien können sich beispielsweise erst in einem neuen Gebäude zeigen, indem die Herstellungsphase (A1-A3) reduziert wird.

Unterschied CO2e (GWP) und CO2

Die Bewertung der Beiträge unterschiedlicher Treibhausgase zum Klimawandel stellt eine komplexe Herausforderung dar. Einige dieser Gase, wie beispielsweise Kohlendioxid (CO2), verweilen Hunderte von Jahren in der Atmosphäre, während andere bereits nach wenigen Jahren abgebaut werden. Darüber hinaus haben diese Gase unterschiedliche Auswirkungen auf das Klima, abhängig von ihrer Fähigkeit, Wärmestrahlung zu absorbieren oder zu reflektieren.

Um diese Vielfalt an Effekten zu bewerten, bedienen sich Wissenschaftler des Konzepts der Treibhausgaspotentiale (Global Warming Potentials, GWP). Dabei wird die Klimawirkung eines Gases über einen definierten Zeitraum (zum Beispiel 20, 100 oder 500 Jahre) im Vergleich zu CO2 ausgedrückt. Diese Methode ermöglicht es, alle Emissionen in sogenannten CO2-Äquivalenten zu quantifizieren und erleichtert den Vergleich von Treibhausgasemissionen zwischen verschiedenen Ländern. Sie bildet auch die Grundlage für die Festlegung von Emissionsreduktionszielen und -verpflichtungen.

Für internationale Berichterstattungszwecke wurde beschlossen, GWP-Werte mit einem Zeithorizont von 100 Jahren (GWP100) zu verwenden. Diese Werte basieren auf Sachstandsberichten des Weltklimarats Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

Ein konkretes Beispiel hierfür ist Methan, das gemäß dem vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats einen GWP100 von 25 aufweist. Das bedeutet, dass eine Tonne ausgestoßenes Methan in der internationalen Berichterstattung als Äquivalent von 25 Tonnen CO2 betrachtet wird. Über einen Zeitraum von 100 Jahren ist Methan daher 25-mal so klimaschädlich wie CO2.

Wenn wir stattdessen den GWP20 aus dem gleichen vierten Sachstandsbericht verwenden und einen kürzeren Zeitraum von 20 Jahren betrachten, erscheint Methan in den ersten 20 Jahren als 72 mal so klimaschädlich wie CO2. Diese Darstellung vernachlässigt jedoch die langfristige Wirkung von CO2, da dieses Gas über Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleibt. Da CO2 das am weitesten verbreitete
Treibhausgas ist und alle Treibhausgase denselben Zeitraum für den Vergleich verwenden sollten, bleibt der GWP100 als sinnvolle Grundlage für die Bewertung des Treibhauspotenzials erhalten.

Zusammengefasst ist das Konzept des Global Warming Potentials (GWP) von großer Bedeutung für die Beurteilung des Einflusses von Materialien auf den Treibhauseffekt. Es bietet eine Vergleichsbasis, indem es die Klimawirkung eines Materials über einen Zeitraum von 100 Jahren berücksichtigt und in CO2-Äquivalenten ausdrückt. Diese Methode unterstützt die Bewertung der Umweltauswirkungen von
Materialien und Prozessen und trägt dazu bei, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de

Zero-Emission-Buildings

Weltweit wird das Konzept der Zero-Emission- Buildings, also Gebäude, die im Lebenszyklus keine oder nur sehr geringe Treibhausgasemissionen verursachen, zunehmend zum Ziel. Diese Gebäude werden häufig als Nearly-Zero-Emission- oder Net-Zero-Emission-Buildings bezeichnet. Dabei geht es darum, die verursachten Treibhausgasemissionen entweder auf ein Minimum zu reduzieren oder durch geeignete Maßnahmen vollständig auszugleichen. Zero-Emission-Buildings sind Gebäude, die im Betrieb keine Treibhausgasemissionen verursachen. Der Begriff kann leicht missverstanden werden, da oft nicht zwischen „Net Zero“ und „Nearly Zero“ unterschieden wird. Net Zero bedeutet, dass alle emittierten Gase ausgeglichen werden, während Nearly Zero darauf hinweist, dass das Gebäude fast keine Emissionen verursacht. Begriffe wie "Zero Carbon" können ebenfalls leicht missverstanden werden, da "Carbon" oft nur mit CO2 gleichgesetzt wird, obwohl es sich um eine breitere Palette von Treibhausgasen handelt. 

CO2-Schattenpreis

Der CO2-Schattenpreis ist ein fiktiver Preis, der den sozialen und ökologischen Kosten entspricht, die durch den Ausstoß von einer Tonne CO2 in die Atmosphäre verursacht werden. Dieser Wert wird genutzt, um die "wahren" Kosten für Umwelt und Gesellschaft bei wirtschaftlichen Entscheidungen sichtbar zu machen, obwohl es sich nicht um einen tatsächlich zu zahlenden Preis handelt. So hilft der CO2-Schattenpreis, die klimaschädlichen Effekte von Emissionen in wirtschaftliche Bewertungen einzubeziehen und ermöglicht es, Klimaziele langfristig zu berücksichtigen.

Ein häufiger Irrtum ist, den Schattenpreis mit der CO2-Steuer zu verwechseln. Die CO2-Steuer ist eine Abgabe, die fossile Brennstoffe verteuert, um den Verbrauch zu senken und klimafreundlichere Technologien attraktiver zu machen. Seit 2021 fällt diese Steuer auf Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel an und steigt jährlich an.

Im Jahr 2024 stieg die CO2-Steuer wie geplant von 30 auf 45 Euro pro Tonne und 2025 ist ein weiterer Anstieg auf 55 Euro pro Tonne vorgesehen. Zusätzlich gibt es für Strom aus Kohle oder Gas sowie für innereuropäische Flüge bereits seit Langem eine EU-weite CO2-Steuer. Der CO2-Schattenpreis hingegen ist ein hypothetischer Wert, der die sozialen Kosten ausdrückt und keine rechtliche Verpflichtung zur Zahlung darstellt.

Ein wichtiger Hinweis ist, dass der CO2-Schattenpreis nicht statisch ist, er kann je nach Land, Zeitraum und Modellrechnung stark variieren, da er von Faktoren wie den prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels abhängt. Unterschiedliche Institutionen, wie die Weltbank oder Umweltorganisationen, verwenden oft abweichende Schattenpreise.

Der CO2-Schattenpreis wird in der Realität primär bei der Bewertung von öffentlichen Projekten und in der nachhaltigen Unternehmensplanung genutzt, um die langfristigen ökologischen und sozialen Auswirkungen von Investitionen zu reflektieren. Unabhängig von den aufgezählten Missverständnissen kann man sagen, dass durch die Integration eines CO2-Schattenpreises in Entscheidungsprozesse, sich die klimaschädlichen Effekte baulicher und wirtschaftlicher Tätigkeiten stärker berücksichtigen lassen, ohne dass dafür ein direkter finanzieller Aufwand nötig ist. Der Schattenpreis zeigt die unsichtbaren Kosten und kann damit zur übergeordneten nachhaltigen Planung und Politikgestaltung beitragen.

Weitere Informationen zum CO2-Preis und Schattenpreis sind im Beitrag von Prof. Dr.-Ing. habil. Thomas Lützkendorf enthalten.

Normen

Die folgenden, ausschnittsweise dargestellten Normen spielen eine wichtige Rolle bei Umweltkennzeichnungen, -deklarationen sowie im Umweltmanagement und Kostenplanung im Bauwesen.

1. DIN EN ISO 14020

Titel: Umweltkennzeichnungen und -deklarationen – Allgemeine Grundsätze
Originaltitel: Environmental Labels and Declarations – General principles
Normnummer: ISO 14020:2000
Deutsche Fassung: EN ISO 14020:2001
Veröffentlichungsdatum: Februar 2002

2. DIN EN ISO 14025

Titel: Umweltkennzeichnungen und –deklarationen – Typ III Umweltdeklarationen – Grundsätze und Verfahren
Originaltitel: Environmental Labels and Declarations – Type III Environmental Declarations – Principles and Procedures
Normnummer: ISO 14025:2006
Deutsche und Englische Fassung: EN ISO 14025:2011
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2011

3. DIN EN ISO 14040

Titel: Umweltmanagement – Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen
Originaltitel: Environmental Management – Life Cycle Assessment – Principles and Framework
Normnummer: ISO 14040:2006
Deutsche und Englische Fassung: EN ISO 14040:2006

4. DIN EN ISO 14044

Titel: Umweltmanagement – Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen
Originaltitel: Environmental Management – Life Cycle Assessment – Requirements and Guidelines
Normnummer: ISO 14044:2006
Deutsche und Englische Fassung: EN ISO 14044:2006

5. DIN EN 15804+A1

Titel: Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte
Normnummer: EN 15804:2012+A1:2013
Ausgabedatum: 2014-07

6. DIN EN 15804+A2

Titel: Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte
Normnummer: EN 15804 A2: 2022

7. DIN EN 15978

Titel: Nachhaltigkeit von Bauwerken – Bewertung der umweltbezogenen Qualität von Gebäuden – Berechnungsmethode
Normnummer: EN 15978:2012-10
Veröffentlichungsdatum: Januar 2012
Hinweis: Diese Norm befindet sich in Überarbeitung

8. SN 506 511 (2009)

Titel: Baukostenplan Hochbau
Herausgeber: CRB Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung, Zürich

9. SIA D 0123 (1995)

Titel: Hochbaukonstruktionen nach ökologischen Gesichtspunkten
Herausgeber: Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich

10. SIA D 0200 (2004)

Titel: SNARC - Systematik zur Beurteilung der Nachhaltigkeit von Architekturprojekten für den Bereich Umwelt
Herausgeber: Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich

11. SIA 2040 (2017)

Titel: SIA Effizienzpfad Energie
Herausgeber: Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich

12. SIA 2030 (2020)

Titel: Graue Energie – Ökobilanzierung für die Erstellung von Gebäuden
Herausgeber: Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich

13. DIN 18205:2016-11

Titel: Bedarfsplanung im Bauwesen
Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Beuth Verlag, Berlin

14. DIN EN 15643:2021-12

Titel: Nachhaltigkeit von Bauwerken - Allgemeine Rahmenbedingungen zur Bewertung von Gebäuden und Ingenieurbauwerken
Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Beuth Verlag, Berlin

15. EN 16516:2017+A1:2020

Titel: Construction products: Assessment of release of dangerous substances – Determination of emissions into indoor air

16. DIN 276:2018-12

Titel: Kosten im Bauwesen 
Veröffentlicht von: DIN (Deutsches Institut für Normung) e.V.
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2018

17. DIN 277:2021-08

Titel: Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau
Veröffentlicht von: DIN (Deutsches Institut für Normung) e.V.
Veröffentlichungsdatum: August 2021